Aktuelles vom Imkerverein Wiesbaden

Bienenfreundliche Blumenkästen

Insekten – vor allem Honig- und Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge - haben es bei uns mittlerweile  schwer, denn es fehlt ihnen in einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaft  zunehmend an Nahrung. Mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Wildbienen ist vom Aussterben bedroht. Es gibt kaum noch blühende Wiesen und nach der Obstbaum- und Rapsblüte fehlt es an Nektar und Pollen. Kein Wunder, dass viele Insektenarten auf der Roten Liste stehen, denn Honig und Blütenstaub brauchen die nützlichen Bestäuber zur Aufzucht ihrer Jungen.

Ohne Insekten – vor allem ohne Honigbienen – gäbe es viel weniger Früchte und Gemüse. In Deutschland hängen rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau von  der Bestäubung durch Honigbienen ab. Gerade jetzt, zu Beginn der Garten- und Balkonsaison, ist die Gelegenheit günstig, durch eine geschickte Pflanzenauswahl die Lebensbedingungen der nützliche Nektarsammler zu verbessern.
Viele Balkone sind im Sommer über und über mit Blüten geschmückt – doch sosehr Geranien durch ihre Blüten bestechen, keine dicke Hummel, kein bunter Schmetterling und keine summende Bienen verirren sich in die Blütenpracht, denn sie bietet weder Nektar noch Pollen. Wie wäre es mit einem insektenfreundlichen „Gourmet-Kasten“, der nicht nur duftende Blüten zeigt, sondern dessen Inhalt sich auch noch in der Küche verwendet lässt und der zudem Geld spart, weil er nicht in jedem Jahr neu gepflanzt werden muss? Von ihm profitieren viele: Gefährdete Insekten und menschliche Genießer.

Geeignet für unseren „Gourmet-Blumenkasten“ sind vor allem Lippenblütler – und zu ihnen zählen viele der von uns hochgeschätzten Küchenkräuter, beispielsweise Lavendel, Thymian, Salbei, Dost, sogar Schnittlauch, wenn man ihn blühen. Sehr dekorativ sind auch Pfefferminze, Basilikum, Bohnenkraut und die gelb blühende Weinraute. Wer diesen Pflanzen die Gelegenheit gibt, Blüten zu entwickeln, wird sich über regen Bienenbesuch nicht beklagen können. Die Immen freuen sich auch über Löwenmäulchen, Vergissmeinnicht, Verbenen und Petunien , die man als Farbtupfer zwischen die Kräuter setzen kann.

Küchenkräuter im Balkonkasten sind meist genügsam und vertragen auch sonnige Standorte – man sollte die Kästen allerdings nicht zu klein wählen, da die Pflanzen ja mehrere Jahre dort gedeihen sollen. Ganz nebenbei, viele von ihnen vertragen problemlos kalte Fröste, sind auch im Winter noch ein Blickfang vor dem Fenster und blühen im nächsten Sommer wieder. Eine Neupflanzung entfällt – das schont den Geldbeutel.

Um das ganze Jahr über einen attraktiven  Blickfang zu haben, sollte man die Pflanzen geschickt im Kasten platzieren: Großen Pflanzen brauchen mehr Platz und kommen in den Hintergrund. Salbei gibt es in vielen attraktiven Blattfarben und in unterschiedlichen Größen. Lavendel besticht durch seine grazile Form. Die Weinraute setzt gelbe Akzente. Als hängender Blickfang eignet sich beispielsweise die Fette Henne und der Mauerpfeffer, wenn sie an den Rand des Gefäßes gesetzt werden. Der Schnittlauch blüht lila, Zitronenkraut weiß, Pfefferminze rosa bis lila. Auch Haus- und Gartenbesitzer können einen nicht unerheblichen Beitrag leisten, den Bienen, Hummeln und Schmetterlingen das Leben zu erleichtern. Wie wäre es mit einer Blumenwiese statt einem öden Rasen oder heimischen Blühsträuchern statt Koniferen? Geeignete Samenmischungen gibt es im Fachhandel, beispielsweise die „Veitshöchheimer Bienenweide“ oder „Bienenfutter“. Die
Gärtnereien beraten gerne bei der Auswahl der Pflanzen. Dabei gilt der Grundsatz: Bienen mögen keinen gefüllten Flor.

Eine Liste mit Trachtpflanzen für Balkon und Garten“ kann man im Internet unter
http://www.bluehende-landschaft.de/  herunterladen.

Und noch ein Tipp: Wer heimischen Honig verzehrt, betreibt aktiven Naturschutz. Denn: Honig kann man importieren – Bestäubung aber nicht! Eine Liste der honigverkaufenden Wiesbadener Imkerinnen und Imker und viele andere interessante Fakten rund um das Thema „Bienen“ finden Sie hier auf unserer Website.

Weitere Informationen zum Thema Bienenweide, finden Sie unter: http://www.imkerverein-wiesbaden.de/bienenweide

Zum Verein.
Der Imkerverein Wiesbaden hat 2015 sein 150jähriges Bestehen gefeiert. Ihm sind rund 200 Imkerinnen und Imker angeschlossen, die im Gebiet der Landeshauptstadt mehr als 800 Völker pflegen.