Aktuelles vom Imkerverein Wiesbaden

Den Bienentanz im Unterricht erleben

Bienen im Klassenzimmer 1
Bienen im Klassenzimmer 2

Wieder Projekt „Bienen im Klassenzimmer“ an der Karl-Gärtner-Schule in Delkenheim

„Bienen sind für den Menschen ganz wichtig“, das weiß die neunjährige Emma genau und sie erklärt auch warum: „Sie bestäuben die Pflanzen, und ohne sie hätten die Menschen viel weniger zu essen…“ Emma ist eine von mehr als 40 Schülerinnen und Schülern der beiden dritten Klassen an der Karl-Gärtner-Schule in Delkenheim. Sie freut sich zusammen mit ihren Klassenkameraden jede Woche auf den Montag, denn dann kommen Herbert und Siggi Schneider vom Imkerverein Wiesbaden und führen die Kinder in die geheimnisvolle Welt der Honigsammlerinnen ein.

Seit einigen Tagen ist es ganz besonders spannend: In die beiden Klassenräume sind einige tausend Bienen eingezogen. Sie sind in zwei Schaukästen untergebracht, deren Türen sich öffnen lassen und die über spezielle Ausgänge über eigens umgebaute Fenster verfügen, um den Bienen das Ausfliegen zu ermöglichen. So können die Kinder ganz genau beobachten, wie die Arbeiterinnen auf den Waben tanzen und sich eine neue Königin ziehen. Sie haben auch die Verantwortung für ihre neue Klassenkameradinnen übernommen: „Jeden Morgen müssen die Bienen mit Zuckerwasser gefüttert werden, denn das kleine Volk muss erst noch wachsen und kann sich noch nicht selbstständig ernähren“, erklärt Theo und füllt mit der Spritze sorgfältig den Futterbehälter. Eine Aufgabe, die auch die anderen Kinder der Klassen mit Begeisterung und Sorgfalt übernehmen, denn für den „Bienendienst“ wurde eigens eine Liste angefertigt, die regelt, wer wann als Bienenpate an der Reihe ist.

Seit Januar haben die beiden Delkenheimer Imker die acht und neunjährigen Mädchen und Jungen sorgfältig vorbereitet. Die Kinder wissen nicht nur, dass in einem Bienenstock eine Königin lebt, die jeden Tag viele hundert Eier legt. Sie kennen auch die unterschiedlichen „Berufe“, die eine Biene im Laufe ihres kurzen Lebens ausübt, können die Bienensprache erklären und sie haben die Angst, gestochen zu werden, weitgehend abgelegt. Nicht zuletzt deshalb, weil mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Ortsbeirates und der Nassauischen Sparkasse spezielle Schutzanzüge angeschafft werden konnten, die eine gefahrlose Beobachtung und Bearbeitung von zwei weiteren Bienenvölkern auf dem Schulgelände ermöglichen. Diese versprechen schon jetzt in einigen Wochen eine gute Honigernte und werden von den Kindern mit Begeisterung mitbetreut. „Wann gehen wir an die Bienen?“, ist der erste Satz, den die beiden Imker hören, wenn sie auf den Schulhof kommen.

„In das Projekt ist das halbe Dorf eingebunden“, freuen sich Herbert und Siggi Schneider: „Vom Bäcker gibt es schon mal einen Bienenstich für die Schulimker, die Feuerwehr sorgt für Feuchtigkeit auf der Blumenwiese und in der letzten Woche wurde von Theo Becht mit seinem Traktor eine große Fläche auf dem Schulgelände gepflügt. Sie wurde zu einer Bienenwiese umgestaltet und gemeinsam mit Schulleiterin Gabriele Döhring und den beiden Klassenlehrerinnen Annette Franz und Christina Butschan mit einer speziellen Pflanzenmischung eingesät, die den Bienen reichlich Nektar und viel Pollen spendet, um einen Beitrag gegen das Bienensterben zu leisten. Auf der Wiese steht auch das von Zimmerermeister Werner Cramer im letzten Jahr gebaute große Bienenhotel, das weiter ausgebaut werden soll und das es ermöglicht, das Leben von Wildbienen und anderen Insekten zu genau erforschen.

Im Rahmen des Bienenprojektes werden auch andere Unterrichtinhalte berührt und vertieft: Wenn man verstehen will, wie sich die Bienen orientieren, muss man wissen, was ein Winkel ist, denn um die Richtung eines Trachtgebietes den anderen Sammlerinnen im Stock mitzuteilen, tanzt die Biene in einem bestimmten Winkel zum Sonnenstand auf der Wabe. Und wer später Honig verkaufen will, muss die Gewichtseinheiten kennen um die Gläser korrekt zu befüllen.

Bis zu den Sommerferien gibt es noch viel zu tun. Zum einen gilt es natürlich genau zu verfolgen, wie sich die beiden kleinen Völker in den Klassenzimmern entwickeln, wie dort die Königin entsteht und wie jeden Tag neue Bienen aus ihren Zellen schlüpfen. Zum anderen brauchen auch die beiden Wirtschaftsvölker eine genaue Beobachtung und Betreuung, damit sie nicht schwärmen. Außerdem muss der Honig geerntet und schleudert werden. Der soll nämlich beim Schulfest verkauft werden und mit seinem Erlös die Klassenkasse auffüllen.

Bereits im zweiten Jahr läuft das Projekt „Bienen im Klassenzimmer“ des Imkervereins Wiesbaden an der Delkenheimer Karl-Gärtner-Schule im Sachkundeunterricht der dritten Klassen. Und so wie es aussieht, wird es wohl zu einer festen Einrichtung an der Delkenheimer „Bienenschule“ werden – die jetzigen Zweitklässler stehen bereits in den Startlöchern und freuen sich schon riesig, im nächsten Jahr selbst „Schulimker“ zu werden.