Aktuelles vom Imkerverein Wiesbaden

Schwarmfänger retten Honigbienen

Bienenschwarm

Im April, Mai und im Juni ist bei den Bienen „Schwarmzeit“. Die Völker befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung und in den Bienenstöcken wird es eng. Dann geht ein Teil der Besatzung mit der alten Königin auf Reisen und sucht sich eine neue Bleibe. Der Rest des Volkes bleibt zurück und zieht sich eine neue Stockmutter.

Das Bienenschwärmen ist ein beeindruckendes Schauspiel: Tausende Honigsammlerinnen schwirren, oft laut hörbar, in einer dunklen Wolke durch die Luft und lassen sich dann an einem Baum, einem Strauch oder auch einmal ein einem Balkongeländer oder Autospiegel als braune Traube nieder. Für viele Zuschauer auf den ersten Blick ein beängstigender Vorgang, denn Bienen könnten ja stechen…

„Dass Honigbienen schwärmen, ist ein natürlicher Vorgang, denn auf diese Weise vermehren sich die nützlichen Insekten. Aber, Bienenvölker, die schwärmen, sind nicht aggressiv“, klärt Siggi Schneider, Vorsitzender des Imkervereins Wiesbaden (IVW)  auf. „Die Bienen haben vor dem Abflug im Honigmagen einen Reiseproviant gebunkert. Und da geht es ihnen wie den Menschen: Wenn sie satt sind, sind sie friedlich… Dennoch: Die Schwärme brauchen dringend Hilfe, denn ohne die Betreuung durch einen Imker sind sie meist verloren und müssen sterben.

Grund für die prekäre Lage der Bienen ist neben den fehlenden natürlichen Unterkünften und einer industrialisierten Landwirtschaft vor allem die Varroa-Milbe, die in den 1970er Jahren nach Deutschland eingeschleppt wurde und die bei den Bienen für große Verluste sorgt. Sie beißt und saugt an den Insekten und macht sie so für Viruserkrankungen empfänglich, an denen sie letztendlich massenhaft sterben. Fast alle Bienenvölker in Deutschland sind von der schädlichen Milbe befallen, die als eine der Hauptursachen für das Bienensterben gilt. Zum Glück haben die Imker aber Möglichkeiten, die Milben in den Stöcken durch die Anwendung von organischen Säuren in Schach zu halten und sorgen so dafür, dass die Bienen gesund bleiben.

„Im Frühjahr kommt es immer wieder vor, dass im Stadtgebiet von Wiesbaden Bienenschwärme gesichtet werden. Deshalb hat der Imkerverein Wiesbaden auf seiner Homepage eine Liste von „Schwarmfängern“ veröffentlicht, die mit ihren speziellen Kenntnissen und der passenden Ausrüstung die Bienenschwärme – soweit sie gefahrlos erreichbar sind – einfangen und ihnen ein neues sicheres Zuhause bieten. Die „Schwarmfängerliste“ kann unter www.imkerverein-wiesbaden.de eingesehen werden“, berichtet Schneider.

In Wiesbaden gibt es rund 1.000 Bienenvölker, die von rund 250 Imkerinnen und Imkern des Imkervereins Wiesbaden betreut werden. Nicht nur in den Vororten, sondern auch in der Innenstadt werden Bienen gehalten. Möglich ist die konfliktfreie Nähe zu den menschlichen Nachbarn, weil die Imker seit vielen Jahren konsequent eine Zuchtauslese betreiben, in der die Friedfertigkeit der Bienen gefördert wird.

Bienen sind für die Bestäubung der Pflanzen von ganz besonderer Wichtigkeit. Rund 80 Prozent aller Nutzpflanzen werden durch die Honigbiene und ihre wilde Verwandten bestäubt. Sie tragen damit ganz entscheidend zu Lebensmittelversorgung bei und haben deshalb in der Natur und für die Menschen seit tausenden von Jahren eine große Bedeutung. Im Schnitt verbrauchen in Deutschland die Menschen rund 1,1, Kilo Honig – sie sind damit Weltmeister im Honigschlecken. Aber nur ein Drittel des süßen Brotaufstriches kommt aus unserem Land. Der Rest wird aus aller Welt – meist aus China, Südamerika oder den osteuropäischen Ländern - eingeführt. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass es weiterhin möglichst viele Honigbienen in Deutschland gibt, denn Honig kann man importieren, Bestäubung aber nicht“, macht Schneider deutlich und bittet die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener, Bienenschwärme zu melden.