David Richter - "Das Geschenk an meine Frau"

Nun gut, ich hätte eigentlich wissen müssen, dass ein weiteres Hobby zusätzlich zu drei kleinen Kindern und einem „normalen“ Job etwas schwierig werden könnte. Aber nachdem meine Frau während Ihres Biologie Studiums erstmalig mit dem „Bienen-Virus“ infiziert wurde, spielte sie schon lange mit der Idee, mit dem Imkern anzufangen. Und weil Männer teilweise gute Ideen haben, diese allerdings ab und zu nicht bis zum Ende denken, schenkte ich ihr zu einem kleinen runden Geburtstag einen Gutschein zum Probeimkern vom Imkerverein Wiesbaden inkl. einer Basisausrüstung für die zünftige Imkerin. Das war vor ca. zwei Jahren. Und der Beginn einer Leidenschaft. Allerdings nicht unbedingt der meiner Frau. Es kam, wie es kommen musste: Aus einem Hobby für sie ist inzwischen ein Hobby für mich geworden, das ich mit viel Spaß und Hingabe  - quasi stellvertretend für meine Frau - betreibe.

Das Probeimkern – das wir gemeinsam bzw. abwechselnd gemacht haben – war eine gute Ausgangsbasis für den Start ins Imkerleben. Ein Jahr später: Frisch ausgestattet mit einem ersten eigenen Bienenvolk Volk haben uns die vermittelten Inhalte durchweg geholfen, mit den eigenartigen, faszinierenden Wesen klar zu kommen und entspannter mit ihnen umzugehen. (Gemeint sind die Bienen, nicht meine Frau.)

Inzwischen sind die Kinder etwas größer und in Maßen vernünftiger und so kommt es vor, dass wir alle gemeinsam zu Bienen gehen, meine Frau die Hilfsimkerin macht und die Kinder fasziniert zuschauen oder auf dem weitläufigen Gelände herumtoben.

Unser erstes Jahr mit eigenen Bienen liegt hinter uns und wir hoffen darauf, dass unsere Damen den Winter gut überstehen. Aus einem Volk sind inzwischen vier geworden und wir haben alles mitgemacht, was einen Neuimker zur Verzweiflung treibt. Glücklicherweise sind die Wiesbadener Imker zu Neulingen sehr freundlich und helfen selbst dann, wenn die Fragen etwas abstrus sind oder mit Sicherheit schon zum tausendsten Mal gestellt wurden.

Das Netzwerk des Imkervereins Wiesbaden war uns während dieser ersten Phase eine große Unterstützung. Das solide Wissen der gestandenen Imker ist eine tolle Hilfe für einen Start. Man findet immer jemanden, mit dem man sich beraten kann, weil er das gleiche oder ein ähnliches Problem schon einmal hatte. Und- nicht zu vergessen – der sich als Ferienvertretung um unsere Bienen kümmert.

Aufgrund des Standplatzes meiner Völker auf einem großen naturbelassenen Gelände, das auch Kinder- und Jugendgruppen zur Verfügung gestellt wird, kommen immer Besucher zu mir, um mir bei der Arbeit mit den Bienen „über die Schulter zu schauen“. Und inzwischen ist es schon eine kleine Tradition, mein Wissen weiter zu geben und den Kinder, Jugendlichen und deren Betreuern sowohl die Wichtigkeit der Bienen für die Natur zu vermitteln als auch vorhandene Ängste zu nehmen. Ich habe es nur sehr selten erlebt, dass die Faszination und Bewunderung, die ich noch immer für die das Bienenvolk empfinde, nicht überspringt. „Das ist ja voll spannend“, höre ich oft. Stimmt. Deshalb wäre es ja auch schade gewesen, wenn ich mich nicht bereit erklärt hätte, anstelle meiner Frau ein Hobbyimker zu werden. Sie hat mich übrigens gefragt, ob ich im kommenden Jahr ihr Imkerpate sein würde…