„Ein Leben ohne Bienen ist möglich … aber sinnlos“

Jörg Rapp

Rahmen mit WabenWir, die Rapps sind nun seit fünf Jahren in der Situation über ein gut gelegenes Grundstück zu verfügen, auf dem auch unser Haus mit großem wildem Garten steht. Mein Freund Karl hatte bei einem Besuch sehr überzeugend vorgetragen wie erholsam Imkern ist, mit wie viel Freude er selbst dies tut und wie gut geeignet unser Grundstück für die Imkerei wäre.

Ein in der Nachbarschaft angesiedelter Imker Herr W. hatte seine Tätigkeit eingestellt, was mich veranlasste Ihn zu befragen, ob er mir Tipps für einen Imkerbeginn geben könnte. Er hat mir daraufhin in epischer Breite, teils quälender Länge von bienengerechter Haltung der mitteleuropäischen Honigbiene und den Vorteilen der eigenen Honigsproduktion berichtet.  Der Film „More than Honey“, der die gesamte Familie fasziniert hat, führte zu dem Entschluss in unserem Permabiotop endlich die Imkerei zu beginnen.

Ich informierte mich im Internet und stellte fest: Die Imkerei ist eine Sache der höheren Wissenschaft „Beute, Bienenkiste, Warréebeute, Dadant, Liebig, Zander, Deutsch Normal, Trogbeute“ sorgten für vorsichtige Verunsicherung

Eine Recherche brachte mir die Bienenkiste als Abwandlung des klassischen österreichischen Bauernbienenkastens nahe. Die Bienenkiste, angeblich sehr gut geeignet für Anfänger, mit alter bewährte Technik, kommt der Bienennatur sehr nahe, man muss so gut wie nichts tun, sondern die Bienen sich selbst überlassen sorgen für alles was sie brauchen. Extensive Bienenwirtschaft - super! Bienenkiste aufgestellt, Bienenvolk einlaufen lassen, Rähmchen rein, zuklappen und das nächste Jahr den Honig der hintersten Kammer entnehmen. Das klang viel verheißend, 50.000 Angestellte machen die Arbeit und man kann von Zeit zu Zeit den Ertrag abgreifen.

Imkerpaten waren per Internet schnell gefunden, die Vertreter der naturnahen Imkerei, wollten mich in Ihre Bienenwohnung schauen lassen und gerne Ihre Bienenkisten für 200,-- € verkaufen.  Das schönste Geburtstagsgeschenk von den Kindern, bestehend aus Smoker, einem Stockmeißel und dem Naturhaarbienenbesen, sowie die Bienenanfängerlektüre vom Kosmosverlag taten ein Übriges sofort mit der Imkerei anfangen zu müssen.

Los geht´s. Der Termin mit den Imkerpaten platzte, es war zu kalt, alle Bienen blieben schön im Nest sitzen und warteten auf das warme Frühjahr. Ich bildete mich weiter….Zum Thema Bienenkiste sah ich einen kleinen Film bei Youtube. Ein riesiger Schwarm zig-tausender aufgescheuchter Bienen bei der Honigernte eines Do it your Self Anfängers an der offenen Bienenkiste. Der Anfänger verfolgte diesen und er konnte sich nur mühsam in seiner Montur den lieben Tierchen erwehren. Das ist also die extensive Bienenwirtschaft, die ich mir vorgestellt habe. Die zum Verkauf stehende Bienenkiste für 200,-- € kam mir teuer vor.

Dies alles zehrte an meiner Geduld und hat mich dazu gebracht den Rat meines Freundes Karl aus Braunschweig einzuholen, mich daraufhin über den örtlichen Imkerverein und das Probeimkern zu informieren. Gemacht, getan, gemailt, der Kurs bei der VHS musste nur gebucht werden und schon konnte es losgehen - dachte ich mir - der Kurs war natürlich seit langem ausgebucht alle Naturinteressierten Wiesbadener wollten Imkern. Glücklicherweise ergab sich dank unermüdlichen Einsatzes unseres 1. Vorsitzenden ein zweiter Termin.

Die Studien in den zum Geburtstag erhaltenen Büchern, und der Einführungskurs hat mir eine klare Linie aufgezeigt: das Probeimkern macht Spaß und ich war froh endlich folgen zu können.

Das Umlarven hat gut geklappt, die Königinnen haben sich bestens entwickelt, die Jungvolkbildung mit Einsetzen der Königin komplettierte mein erstes Volk, das Foto war schnell gemacht, auf der Bienenbeute mit dem Ableger stand mein Name und ich freute mich mein 1. Bienenvolk betreuen zu können.

Die magische Grenze zwischen den zwei Lebensformen vor den Bienen/ mit den Bienen war überwunden, auf Nachfragen der interessierten Nachbarn konnte ich endlich stolz sagen: ich habe mein Bienenvolk und bin Imker mit einer direkten Nachfahrin einer echten F1 Königin.

Nach unserem schönen Sommerurlaub besuchte ich erwartungsvoll „mein Volk“. Der Schock war groß, es stellte sich ein Bild des Jammers dar. Alle Völker der anderen Neu-Imker haben munter Pollen eingetragen, fette Bienen-Larven belagerten massenweise die Rähmchen, nur bei meinem Volk herrschte ein kopfloses Durcheinander am Flugbrett.  Die Bienen krabbelten in großer Menge wirr hin und her, von Polleneintrag keine Spur. Die Sichtkontrolle bestätigte das befürchtete Fiasko. Kein einziges Ei war zu sehen, die älteren Larven waren alle geschlüpft, die schöne Königin war von Ihrem Jungfernflug nicht zurückgekehrt. Die armen Arbeiterinnen haben sich beim Drohnenbrüten verausgabt und wurden zur Belohnung vor fremden Fluglöchern auch noch abgekehrt.

So spielt das Leben, der ewige Kreislauf der Natur geht weiter, auf Einzelschicksale wird keine Rücksicht genommen. Zum Glück gibt’s die „Erfolgsgarantie“ beim Probeimkern. Ein neues Bienenvolk wurde bereitgestellt. So sehen wir der Zeit nach dem Probeimkern entgegen und stellen fest: Ein Leben ohne Bienen ist möglich aber sinnlos - dies in Anlehnung an die Worte von Loriot -Vicco von Bülows.          

Das Bild zeigt übrigens den kleinen Unterschied zwischen Planung und Wirklichkeit: geplant war: Drohnenbaurahmen als Varroafalle mit Querleiste für wechselweises Ausschneiden, eingehängt an der 2. Wabe von außen; realisiert wurde: Die Bienen zählen nicht die Position der eingehängten Waben sondern tun was Sie brauchen und gerne machen, Waben bauen und Nektar einlagern.