Der „Telekom-Mann“ ist Schuld…

Stefan Kreuder

PortraitNein, ich habe mich nicht immer für Bienen interessiert, eigentlich gar nicht, früher nie…

Alles begann, als mein Telefon 2011 nicht mehr funktionierte. Was tun??? Mit der Störungsstelle vereinbarte ich einen Termin und schon wenige Tage später stand der „Telekom-Mann“ vor der Tür. Mit allerlei Messgeräten und Messungen prüfte er die Leitung. Ein netter Typ, erzählte allerhand, dann auch über Bienen. Es stelle sich heraus, dass er vor ein paar Jahren einen Kurs gemacht hatte…er war nun Imker. Imker, aha…wie interessant…

Irgendwie ging dann das Telefon von alleine wieder und nun bat er mich mit zum Auto zu kommen und ich erhielt stolz ein Glas eigenen Honig überreicht. Wunderschön mit einem Etikett vom Wiesbadener Kurhaus. Das war sehr nett, denn ich mag Honig sehr gerne! Das Glas landete im Küchenschrank und geriet erst mal in Vergessenheit. Wochen später entdeckte ich es wieder und am Wochenende zum Frühstück wurde es geöffnet. Sensationell, was für ein wunderbarer Geschmack! 

Was sagte der „Telekom-Mann“? Wie geht das? Wie wird man Imker? Ich versuchte mich zu erinnern… Das Internet half. Aha genau, einen VHS-Kurs gibt es. Meiner Frau erzählte ich von meinen Plänen. Sie war irritiert, sehr irritiert. Ich habe mit Finanzen und Immobilien zu tun. Praktisch begabt bin ich, die Natur und meinen Garten mag ich auch, aber Bienenhaltung?

Beuten im GartenDer Kurs war interessant und Kurt Schüler und sein Kollege referierten mit großer Fachkunde und Freude über Bienen. Ich erfuhr das Imkern ziemlich leicht ist und jeder kann es machen. Der Zeitaufwand ist mit ca. 10 Stunden im Jahr gering und teuer ist das Hobby auch nicht. Na also! Ich meldete mich sogleich für das Probeimkern 2012 an. Ein Jahr „learning bei doing“ direkt mit eigenen Bienen auf dem Grundstück des Imkervereins in Wiesbaden Bierstadt. Ich war beeindruckt wie unsere Lehrer mit den Bienen arbeiteten. Kurze Hose, kurzes Hemd, natürlich offen. Hier einen Ableger, Kippkontrolle, Königin zeichnen, Drohnenrahmen schneiden, Varroabehandlung, füttern mit Zucker…alles gut erklärt und auf den ersten Blick gar nicht so schwer. Aber ich habe auch gelernt, dass es wilde Tiere sind. Insekten die auch gerne mal stechen…natürlich nicht die Lehrer, aber sehr gerne mal die Probeimker. Aber kein Grund zur Panik, ich bin sehr lange stichfrei geblieben.

In dem Kurs habe ich viel gelernt und neben dem Thema fand ich es interessant, wie viele unterschiedliche Leute sich für dieses Thema interessieren. Ich muss sagen, in der Runde habe ich mich sehr wohl gefühlt! Neben dem Thema mit Bienen zu arbeiten, fand ich die Aussicht auf leckeren Honig natürlich äußerst reizvoll!

FluglochAnfang 2013 lief der Kurs aus und ich entschloss mich bei dem Hobby zu bleiben. Die Beute mit meinen Bienen packte ich ins Auto und fuhr aufgeregt nach Hause. Eigene Bienen! Meine Frau wollte gerade in die Stadt, aber ich bat sie mir beim Ausladen zu helfen. Sie hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass ich Ernst mache und die Bienen tatsächlich mit nach Hause bringe… Nachdem die Beute im Garten abgestellt war sagte Sie versöhnlich: „Ich bin gar nicht gestochen worden…“

Allerdings muss ich gestehen, das Jahr „Imkerschule“ hatte noch keinen richtigen Imker aus mir gemacht. Ich war unsicher, leicht chaotisch, was war nochmal zu tun??? Wie war das? Mein Hilferuf bei Kurt wurde sofort erhört und ich bekam einen eigenen Imkerpaten. Jochen Erle, mit einigen Jahren Wissensvorsprung, ein alter Hase! Das hat gut gepasst und es ist daraus eine Freundschaft geworden. Wir machen seitdem die Arbeit an unseren Bienen gemeinsam. Ich muss gestehen, ohne diese Unterstützung hätte ich es nicht geschafft. Gerade am Anfang ist es sehr schwer und es gehört viel Erfahrung dazu alles richtig zu machen. Natürlich gab es ein auf und ab. Dies und jenes klappte nicht und gerade meine Bienen lieben es besonders, trotz intensiver Kippkontrolle,  zu schwärmen…jedes Volk, jedes Jahr. Der Himmel ist dann jedes Mal schwarz vor Bienen…und weg sind sie. Aber ich habe viel dazu gelernt und bei manchen Themen fragt mich mittlerweile mein Imkerpate schon um Rat. Das macht mich natürlich etwas stolz!

Waben entdeckelnMein, wunderbarer, dunkler Kurparkhonig, letzte Jahr 40 Gläser, dieses Jahr fast 100 Gläser (kleine Gläser), ist die Sensation. Ich mache gar keine Werbung, der Honig wird mir aus der Hand gerissen. Ich bin sogar sehr, sehr geizig mit meinem „flüssigen Gold“. Ein Kollege wollte neulich noch 2 Gläser kaufen, daraufhin sagte ich: „Du bekommst nur eins!“

Die Bienenvölker stehen in meinem Garten, Fluglöcher zum Wiesbadener Kurpark. Der Garten ist nicht groß…eher klein. Und so stehen unsere Liegestühle direkt neben den Bienen. Es ist wunderbar dort zu liegen und im Sommer die landenden und startenden, fleißigen Bienen zu beobachten. Meine Frau liegt auch da und hat Ihre Angst vollständig verloren. Es war der zweite Sommer und ich bin sehr sicher mittlerweile was wann zu tun ist. Ich glaube ich darf mich jetzt offiziell Imker nennen!

Ich bin sehr dankbar, dass ich vor 3 Jahren den „Telekom-Mann“ kennengelernt habe. Nur so bin ich zu diesem ungewöhnlichen Hobby gekommen. Natürlich  bleibe ich dabei! Ich lasse alles langsam angehen, das ist auch mein Tipp an Neueinsteiger! Herzlichen Dank an Kurt Schüler, Jochen Erle und den Telekom-Mann, den ich übrigens dann auch bei einem Imkertreffen wiedergesehen habe.