Helmut Habel - Ein verdienter Imker erinnert sich

Helmut Habel ist im Imkerverein Wiesbaden eine Institution. 1939 geboren, imkert er schon seit seiner Kinderzeit. Erst zusammen mit seinem Vater, später alleine. Vor allem die Königinnenzucht hat es ihm angetan. An erster Stelle steht bei ihm die Friedfertigkeit der Bienen. Nicht zuletzt deshalb sind die "Schulbienen", die wir in unserem Projekt "Bienen im Klassenzimmer" einsetzen, alle aus seiner Zucht. "Streichelbienen" eben ...

Das Schöne an Helmut Habel ist, dass er all sein Wissen bereitwillig an jüngere Kolleginnen und Kollegen weitergibt. Und so mancher hat von ihm, weil er gerade in Not war, eine Königin aus seiner Zucht erhalten.

Immer dann, wenn der Verein eine Weiterbildung anbietet, ist Helmut Habel dabei - dezent im Hintergrund, niemals laut, aber eben da, wenn er gebraucht wird.

Mein Leben mit Bienen.

Ich hatte sie schon alle: Die Frommen, Zahmen, die Bösen, die Friedlichen und auch die Umgänglichen. Bereits mit rund zehn Jahren musste ich bei meinem Vater, er war Imker, bei den Bienen mithelfen. Ich bekam auch ein eigenes Volk, auf das ich sehr stolz war. Mein Vater überwachte alles, was ich machte, mit strengem Blick.

Die zu Beginn meines Imkerlebens gezüchtete Bienenrasse war die kleine „Dunkle Biene, Mellifica Mellifica“. Es waren böse Stechteufel. Bei jeder Honigschleuderung war die Katastrophe vorprogrammiert: Unser Bienenstand befand sich in der Nähe der Wohnung. Fast eine Woche konnte niemand aus den Fenstern schauen, weil die stechfreudigen Bienen sofort angriffen. Geimkert wurde im „Alberti-Blätterstock“, zehn Rähmchen im Brutraum und 14 Rähmchen in Deutsch-Normalmaß im Honigraum.

 

Die Ankunft der Carnica

Erst Mitte der 50er Jahre kam nach und nach die heute verbreitete Rasse „Mellifica Carnica“ zu uns. Mein Vater gewann bei einer Vereinsverlosung eine Carnica-Reinzuchtkönigin und es wurde schnell mit der Nachzucht begonnen. Diese wurde noch im Bogenschnitt ausgeführt. Dabei wird eine junge frisch bestiftete Brutwabe im unteren Drittel bogenförmig beschnitten, damit die Bienen an den Kanten WeiselzelHelmut Habel Bienen am Körperlen anlegten. Die angezogenen Zellen wurden nach dem Verdeckeln umgeschnitten. Es gab keine 100%ige Kontrolle und die Ausfälle waren sehr hoch. Aber durch das Umweiseln der Völker mit diesen Nachzuchtköniginnen hatten wir die ersten Zuchterfolge in Richtung Sanftmut.

Alle Fachbücher, die in dieser Zeit zu bekommen waren (z.B. Haltung und Zucht der Biene von "Zander/Böttger"    u.a.), verschlang ich wie Romane. Mein Interesse galt der Zucht. Ich hatte gelesen, wie man einen Tag alte kleine Larven in selbsthergestellten Weiselnäpfchen aus Bienenwachs umbettet. Das war für meinen Vater neu, was mir von ihm Tadel einbrachte. Geknickt ging ich zu einem alten Imkermeister in unserem Dorf und erzählte mein Anliegen. Der sagte, das sei alles kein Problem und zeigte mir, wie ich alles machen sollte. Die erste Umlarv-Serie war ein toller Erfolg. Ich war glücklich und glaubte, es ginge so weiter. Aber die nächsten Serien liefen schief. Schließlich dann kam nach und nach aber doch der Erfolg. Die Sanftmut und der Honigertrag entwickelten sich zu meiner Zufriedenheit.

Mein Vater war plötzlich verstorben und ich machte allein weiter. Ich hatte inzwischen auf 40 bis 45 Völker aufgebaut. Später hatte ich noch das Glück, bei einem Imkerfreund zu zusehen, wie man Königinnen instrumentell besamt. Bei ihm konnte einige Königinnen besamen zu lassen. Der Erfolg war gut. Die Sanftmut war groß, so dass ich es wagte, einen Schwarm an den nackten Oberkörper zu hängen. Gestochen wurde ich nicht.

Eines Tages kam ein Nachbar und sagte mir: Rund 50 Meter von deinem Bienenstand hat ein Imker mehrere Bienenvölker ins Gras gestellt. Ich sah sie mir an: Die Bienenkästen (Magazine) standen auf dem blanken Boden. Die Bienen fanden im hohen Gras nicht die Fluglöcher, es war ein großes Durcheinander. Nach mehreren Tagen traf  ich endlich den Imker. Er hatte kein Namenschild an den Kästen und besaß auch kein Gesundheitszeugnis. Er sagte kleinlaut, er wolle Akazienhonig ernten. Es stehen etwa 25 bis 30 Akazienbäume an dieser Stelle. Seine Bienen waren gelb wie Wespen – keine reine Carnica-Bienen. Zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden gelang es, dass der Imker abzog. Aber dann kam  der große Paukenschlag: Ich hatte eine Serie Königinnen - rund 30 Stück - die gerade ausgeflogen waren. Als die ersten Bienen schlüpften, kam das große Entsetzen: So eine bunte Vielfalt an stechfreudigen Jungbienen hatte ich noch nicht gesehen… Ich habe die ganze Serie vernichtet und glaubte, nun ist der Schaden behoben. Aber, man kann sich irren: Heute, nach vielen Jahren, kommen immer wieder noch vereinzelt "Goldfasane" zum Vorschein, deren Stechlust sicBlätterstok innenh wieder auf das Volk auswirkt.

Ende der 70er Jahre kam das größte Dilemma aller Zeiten, die Varroa. Da wir im Rhein-Main-Gebiet zu den Ersten zählten, bei denen das Problem auftrat, und die Erfahrung für die Behandlung gleich null war, mussten wir schnell handeln. Viele Mittel wurden ausprobiert und wieder verworfen, weil sie entweder die Bienen schädigten oder Rückstände bildeten. Neben K 49, Vollpex, Beifarol, Perizin und verschiedene andere Mitteln wurde alles ausprobiert. Inzwischen habe ich Erfahrung mit der überall angewendeten Ameisensäure, gute Erfahrungen gesammelt und komme ganz gut mit der Milbe zurecht.

 

Aus Gesundheitsgründen habe ich vor einigen Jahren die Magazin-Imkerei aufgegeben. Ich imkere jetzt wieder in 17 Blätterstöcken im Deutsch Normalmaß, die ich von meinem Vater geerbt hatte.

Durch intensive Königinzucht sind die Bienen mittlerweile wieder sehr umgänglich. Ab und zu werden Königinnen von anerkannten Reinzüchtern eingekreuzt, um die Reinzucht zu erhalten und den Honigertrag zu steigern.

Vor einigen Jahren hatte ich einen extremen Totenfall. Es konnte nicht festgestellt werden, was die eigentliche Ursache war. Das Aussagebild entsprach nicht allein der Varroa. Ich nehme an, dass auch Viren eine Rolle spielten. Imkerkollegen halfen mir aus der Patsche und stellten Völker zur Verfügung. Vielen Dank! Ich habe auch einige Völker dazugekauft und bin wieder auf meinem alten Stand. Erwähnen möchte ich noch, dass der Honig ausschließlich im Einheitsglas des Deutschen Imkerbundes in Selbstvermarktung verkauft wird.

Ich habe nun über 60 Jahre Bienen. Wenn ich heute so überlege, kann ich, abgesehen von ein paar Tiefen, zufrieden sein.

Habel Ehefrau ChristaIch danke meiner Frau, die mir über all die Jahre half, den Honig abzufüllen, zu etikettieren, den Honig verkaufen, Gläser zu putzen, zu spülen, und die mir immer tatkräftig zur Seite stand. Ohne sie hätte ich die Bienenhaltung nicht in diesem Umfang machen können.

Durch die Bienen hatten wir auch gemeinsam schöne Stunden. Es ergaben sich schöne Freundschaften, wir besuchten lehrhaltige Seminare und machten schöne Ausflüge.

Ich möchte keine großen Worte machen, das was ich aufgeschrieben habe, ist eine kleine Erinnerung, man könnte noch viel mehr schreiben. Die Bienenwelt war für mich viele Jahre in Ordnung. Volle Honigtöpfe, sanftmütige Bienen!!!! Was will man mehr!

Königinnen Vermehrung

Nach dem Krieg war eine schlechte Zeit für die Imker. Abgesehen vom Winterfutterzucker, war es die Zeit, die fehlte. Es wurde wöchentlich 48 Stunden, auch samstags bis 14 Uhr, in der Firma gearbeitet. Dann wurde in aller Eile gegessen und es ging aufs Feld.

Zuchtrahmen BienenWenn Zeit für die Bienen war, gab es manche Überraschungen. Beim Öffnen des Stockes hörte ich schon ein leises Tuten. Sowie die Waben auf dem Wabenbock kamen, hörte es auf. Beim Nachsehen liefen 5 oder mehr junge Königinnen auf den Waben umher. Die hatten die Zelldeckel schon aufgeschnitten aber beigeklappt. Sie hatten den günstigen Moment der Unruhe zum Schlüpfen genutzt. Mit diesen Königinnen hatte ich ein gutes Standbein.

Ich kann mich erinnern! Man nahm Schwarmzellen, etwa 2 Stück, 2 Futterwaben und 1 Brutwabe für einen Ableger. In die Brutwabe wurde ein Loch geschnitten, die Schwarmzellen wurden ausgeschnitten und in das Loch  eingepasst. Der Zufall regelte dann alles Weitere…

Nachfolgend kam der Bogenschnitt. Man nahm eine Wabe mit sehr jungen Larven, schnitt einen halben Bogen durch die Wabe. Diese wurde Volk eingehängt, das einen Tag weisellos war. Die Bienen bauten am Ende des Bogens Zelle an Zelle. Diese Zellen wurden mit Klemmstopfen in Ableger oder Einwaben-Kästen (E W K) verteilt. Es war alles mit viel Arbeit verbunden. Aber der Erfolg war gut!

Dann kamen die ersten Versuche mit der Umlarvung. Ich nahm mit Züchtern der Umgebung Verbindung auf, kaufte Reinzuchtköniginnen zur Blutauffrischung. Durch Einkreuzungen erreichte ich Sanftmut, sowie einen guten Honigertrag. Ich kann nur empfehlen, Königinnen selbst zu ziehen und durch Auslese das Beste zu erreichen!

EKW BienenSpäter hatte ich Kontakt mit Imkerkollegen, die instrumentell die Königinnen besamten. Von erstklassigen Muttervölkern wurde nachgezogen und von sehr guten Völkern wurden  Drohnen für die Besamung genommen. Für eine Königin wurde von 16 bis 20 Drohnen das Sperma benötigt. Der Erfolg war gut – sehr gut. Die Zeit der Handschuhe und der Schleier war vorbei, die Völker wurden immer friedlicher!

Wenn ich zurückdenke an die Zeit nach dem Krieg, erinnere ich mich die „Dunkle Biene, Apis mellifica mellifica“ . Das waren echte Stechteufel. Deshalb kann ich nicht verstehen, dass einige Imker diese Biene wieder einführen möchten. Ich halte diesen Weg für verfehlt.

Welche Beute ?

In Hessen, meiner Heimat, war der Blätterstock die meistverbreitete Bienenwohnung. Es wurde geimkert im deutschen Normalmaß (370x223 mm). Der Lehrer Adolf Alberti entwickelte den Stock um 1800, bei dem man die Waben nach hinten gerade herausziehen konnte. Der Abstand der Waben war durch einen Blechrechen (Abstandhalter) geregelt, so dass man jede einzelne Wabe ziehen konnte. Das war ein großer Vorteil gegen- über der Hinterbehandlungsbeute, bei der die Waben im Querbau standen. (Warmbau) Wenn man hier an die erste Wabe wollte, mussten erst alle hinteren Waben herausgenommen und beiseite gestellt werden. Bei mehreren Völkern nahm das viel Zeit in Anspruch.

Blätterstoch außenVorteile hatte der Alberti-Blätterstock, man konnte ihn zwei- oder dreifach übereinander stapeln und im Winter hielten sich die Bienen gegenseitig warm. Die Beute war ideal für ältere, schwächere Imker oder solche, die Rückenprobleme hatten. Frühtrachtimker hatten großen Vorteil, weil die Bienen sich schnell entwickelten. Man konnte im Stehen oder Sitzen jede Wabe im Honigraum oder Brutraum ziehen und behandeln, da kein Honigraum abzuheben war. Nachteile hatten die Blätterstöcke, man konnte sie nicht erweitern und musste viel schröpfen und Ableger herstellen. Auch benötigte man ein Bienenhaus oder einen Unterstand.

Weiter nachteilig war, dass man in Gesichtshöhe dahinter stand und der Atem der in das offene Volk gehaucht wurde. Das regte die Bienen auf, mit der Folge, dass sie aggressiv wurden.

Dann erfuhr man von einigen Imkern, daß sie auf Magazinbeuten umgestellt haben. Wir hatten ja keine Erfahrung! Manche Imker schworen weiterhin auf Deutsches Normalmaß, wieder andere auf Zander- oder Langstrothmaß. Später hörte man aus Fachkreisen über die Vor-und Nachteile. Das Deutsche Normalmaß war für das Magazin nicht geeignet, Der Rauminhalt der Zargen war zu klein, man musste viel aufsetzen, um den Schwarmtrieb in den Griff zu bekommen. Auch die Durchlenzung im Frühjahr war nicht ideal.

Ein Imkerkollege hatte auf Langstroth umgestellt. Was mir an dieser Beute nicht gefiel war, dass sie verschiedene Wabenmaße hatte und sehr schwer war. Das Wabenmaß ist 441 x 233 mm im Brutraum und im Honigraum 2/3 als Dickwaben vorgesehen. Von Imkern hörte man, daß sich das Zandermagazin immer mehr durchsetzte. Es war handlicher, das Wabenmaß war nicht ganz so groß (420x22o mm) wie das Langstrothmaß. Die Durchlenzung war ideal. Magazine mit einer Stückzahl von neun oder zehn Rähmchen konnte man aus Holz oder Kunststoff wählen. So war für mich das Zandermagazin die ideale Beute.

Da der deutsche Imker immer erfinderisch war, gibt es viele Bienenkisten. Zum Beispiel Auszugsbeuten, Trogbeuten, Bauernbeuten, Freudenstein, Gerstung und die Korbimkerei in der Heide sowie Dadant-Beuten von Bruder Adam, US oder Ries. Rähmchenmaße: Brutraum: 448x285 mm, Honigraum: 448x141mm oder Brutraum: 435x300mm, Honigraum:435x160mm.

Manche junge Imker meinen heute, wenn sie in Groß-Raum-Kisten Bienen einsetzen, wäre das Bienen gerechter. Diese Kisten sind teurer als ein Magazin und die Varroa-Behandlung schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. In einem Zandermagazin (Ein Boden, zwei Zargen) kann man auch naturnah imkern und man kann die Varroa gut behandeln.

Bienengerecht könnte man auch in einem hohlen Baumstamm imkern und die Bienen sehen und beobachten. Allerdings ohne Honigernte.

Es gibt bestimmt viele Beuten, die ich nicht kenne und jeder Imker meint, seine Bienenhaltung ist die Beste. Er sollte dabei aber stets das Wohl der Bienen im Auge haben.

 

Wachs 

Ich hatte von älteren Imkern gehört, dass Blockwachs im Umtausch für Mittelwände bares Geld sei! Mein erstes Wachs gewann ich in einem großen Emailletopf, den ich vorher zu einem Drittel mit Wasser füllte und erhitzte. Nach und nach gab ich ausgeschnittene alte Waben in das heiße Wasser. Durch Rühren erreichte ich einen steifen Sud. Am Anfang nahm ich Nylonstrümpfe, in die ich den heißen Wachssud einfüllte. Später nahm ich die Beinteile von Strumpfhosen, die ich abgeschnitten hatte. Diese „Wachsbomben“ hing ich hoch in eine Stehleiter oder an einen Ast.

Zum Wachsauspressen besorgte ich zwei Bretter von 10 cm Breite und ca. 60 cm Länge. Ich nagelte einen Lederriemen über die Stirnseiten, so dass die Konstruktion die Funktion eines Scharniers hatte. Die aufklappbaren Brettteile legte ich um die heiße Wachsfüllung und konnte sie durch Zusammendrücken sehr behutsam auspressen. Das ausgepreßte Wachs hatte natürlich noch viel Schmutz. Durch erneutes Einschmelzen in weichem Wasser, beispielsweise Regenwasser, setzte sHelmut Habel Kerzenich der Schmutz nach dem Erkalten ab. Nach dem Abkratzen und erneutem Wiedereinschmelzen wurde der Wachs sauber.

Später wurde mit Gas oder Elektrokocher gearbeitet. Auch den guten Sonnenwachsschmelzer will ich nicht verschweigen. Die Wachsausbeute ist da nicht ganz so hoch. Mein Ziel war immer: eine alte Wabe muss eine Mittelwand ergeben. Der Klärvorgang ist bei mir heute, fast wie vor rund 50 Jahren, immer noch gleich. Die Altwaben werden heute noch eingeschmolzen und zu Mittelwänden eingetauscht.

Später wurde ich anspruchsvoll. Ich stellte echte Bienenwachskerzen her. Für die Kerzen nahm ich Wachs von unbebrütetem Wildbau und Deckelwachs. Das war die Voraussetzung für eine hochwertige Qualität mit goldgelber Farbe und Reinheit.

Ich hatte begonnen einen eigenen Wachskreislauf herzustellen, aber für sauberes Wachs für Kerzen und Mittelwände reichte es nicht. Deshalb nehme ich im Umtausch Bio-Mittelwände. Ich kann aus meiner Sicht jedem jungen Imker raten: Schmelzt euren Wachs selber aus,  es lohnt sich im Umtausch für Mittelwände. Dies war eine kleine Erzählung über eine Nebenarbeit bei den Bienen die Geld spart.